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THEMA: Hm, Leichtes Schreiben generell im Buch umsetzen?

Hm, Leichtes Schreiben generell im Buch umsetzen? 08 Jan 2017 21:05 #5273

  • Wichmann
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Die Bevölkerung wird immer älter :evil: , die Augen schlechter B) und in der Erwachsenenausbildung ist seit jüngster Zeit 'Lesen lernen' auch ein Thema, so dass Regeln zu 'leichtem Lesen' beachtet werden sollten.
Es macht also Sinn zu überlegen ob das eigene Werk entsprechende Regeln (in Maßen) beachten sollte. Also war mein Versuch mal drei Regeln anzuwenden: Schreibe jeden Satz in eine Zeile, schreibe kurze Sätze, nutze keine Doppelpunkte.
Aber stört dies nicht den Lesefluß? Entsteht nicht eher ein abgehacktes Lesen, weil das Auge nicht gewohnt flüssig weiterschaut, sondern erkennt: Upps, der Satz ist zu Ende, ich muss jetzt eine Zeile hinunterhüpfen?

Folgendes Beispiel:
Es ging dermaßen schnell, das meine Augen das Geschehen erfassten, während mein Bewußtsein träge hinterherhinkte. Was die Bilder betraf, arbeitete mein Gehirn unheimlich schnell. Es warf mir die Bilder vor die Seele und schaltete Überflüssiges ab.
Was mich betraf, spürte ich keinen Schmerz. Im Gegenteil: Augenblicklich ließen meine chronischen Kopfschmerzen von mir ab. Mein Körper schien nicht mehr vollgefressen schwer. Vielmehr schien ich in einer aufgeregten Neugier gefangen.

Ließt sich ebenso flüssig das Folgende?

Es ging dermaßen schnell, das meine Augen das Geschehen erfassten.
Mein Bewußtsein hinkte träge hinterher.
Was die Bilder betraf, arbeitete mein Gehirn unheimlich schnell.
Es warf mir die Bilder vor die Seele.
Es schaltete Überflüssiges ab.
Was mich betraf, spürte ich keinen Schmerz.
Im Gegenteil.
Augenblicklich ließen meine chronischen Kopfschmerzen von mir ab.
Mein Körper schien nicht mehr vollgefressen schwer.
Vielmehr schien ich in einer aufgeregten Neugier gefangen.

Was meint Ihr?
Gruß
Stefan

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Hm, Leichtes Schreiben generell im Buch umsetzen? 09 Jan 2017 18:29 #5275

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Als Vielleser, ist für mich das erste Beispiel natürlich besser lesbar. Das zweite Beispiel ist meiner Meinung nach ziemlich verwirrend.

Ich arbeite selber auch im Altersbereich und glaube auch aus dieser Sicht, dass das zweite Beispiel nicht zielführend ist. Wenn vor allem die Sehkraft das Problem ist, könnte das zweite Beispiel auch als Beleidigung aufgefasst werden. Ich kenne einen ehemaligen Sprachprofessor und der hat vor allem ein Problem mit der Sehkraft. Verbreitete Probleme sind auch, Licht und eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit. Dabei hilft das zweite Beispiel aus meiner Sicht in keiner Weise. Eine grössere Schrift würde wohl oft helfen. (Empfehle oft den Versuch mit einem eBook-Reader)

Gruss
Walter
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Hm, Leichtes Schreiben generell im Buch umsetzen? 09 Jan 2017 19:06 #5276

  • Wichmann
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Hallo Walter,
Danke für Deinen Hinweis. Den Hinweis "könnte [...] auch als Beleidigung aufgefasst werden" müsste man entkräften, indem von vornherein auf die besondere Darstellung hingewiesen wird.
Auf das Thema "Leichtes Lesen" kam ich durch einen Verlag, der explizit dermaßen verfasste Texte sucht. Von daher überlege ich, ob zumindest ein Teil der Vorgaben oder ein Teil zu "barrierefreie Texte" bei der Formatierung beachtet werden sollte. Bisher fand ich die Idee ganz sinnvoll.
Kurze Sätze sind ja eh hilfreich.Ich denke ich werde beides (Barrierefreiheit und Leichtes Lesen) soweit sinnvoll beachten, aber den Passus 'pro Satz nur eine Zeile' lediglich bei ausgewählten Texten und nach Vorankündigung auf dem Cover umsetzen.

Danke, hat mir schon mal sehr geholfen.
Gruß
Stefan

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Hm, Leichtes Schreiben generell im Buch umsetzen? 09 Jan 2017 20:15 #5277

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Hallo Stefan,

ich bin ja durchaus dafür, Menschen mit Behinderungen zu unterstützen. Aber es gibt für die eine Menge sinnvoller Ausweichmöglichkeiten, die keinen Qualitätsverlust bedeuten. Seien es eBook-Reaader oder Hörbücher. Die zweite Variante des Texts oben ist schauderhaft.

Vielleicht ein paar philosophische Gedanken dazu: im Universum gibt es nicht den geringsten Zufall. Also ist auch niemand ›zufällig‹ behindert. Anfoderung jeder Art hat Sinn. Auch die einer Behinderung. Denn jedes Leid ist dafür da, eine Botschaft zu übermitteln. Die Natur - und damit auch der menschliche Körper - neigt zur Homöostase, also in Harmonie zu kommen. Wenn das nicht geht, dann steht man diesem natürlichen Prozess im Weg. Das ist dann das sogenannte Leid. Wenn man jemandem zu viel abnimmt, bewirkt das nämlich auch, dass der Leidensdruck verringert wird. Und damit das Bedürfnis, etwas zu ändern. Es ist also ab einem gewissen Grad sogar sehr kontraproduktiv. Wie toll sich solche Überunterstützung auswirkt, sieht man bei sehr jungen Menschen, die unter der kleinsten Anforderung zusammenbrechen (siehe Helikoptereltern).

Liebe Grüße
Martin
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Hm, Leichtes Schreiben generell im Buch umsetzen? 09 Jan 2017 21:32 #5278

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Ja, dies zweite Version ist schauderhaft. Da macht das Lesen keinen Spaß.
Mir geht es auch nicht um Überfürsorglichkeit, auch da gebe ich Dir recht. Mir geht es um sinnvolle Unterstützung.
Um es mit einem Beispiel im Lebensmittelladen zu verdeutlichen: Natürlich kann sich die Oma im Laden mit einer Lupe behelfen, um zu lesen was sie da kauft. Die Hersteller könnten auch größere Schrift verwenden und die Schrift nicht schwarz auf Dunkelgrau drucken.
Bei Büchern mag es genauso sein. Es könnten doch zumindest einfachste Regeln befolgt werden, um ein ePub ggf durch eine Vorlesesoftware auch handhabbar zu gestalten, statt Steine in den Weg zu legen. (Screenreader müssen für eine Textausgabe voreingestellt werden.)
Hier mal ein paar Punkte: Einheitliches Layout, konsequente Gestaltung des Textdokuments,Verwenden durchgängig gleicher Schrift und identische Aufzählungszeichen, nutzen von standardisierten Aufzählungszeichen statt manuell eingefügter * bei Aufzählungen, usw.
Vieles davon mag allein in Händen des Schriftstellers liegen, wo die Software unterstützen kann und sei es lediglich durch eine Warnung (wenn optional gewünscht) in der Art "Formatwechsel durch Screenreader / Braillezeile nicht handhabbar" wäre dies ein weiterer Pluspunkt für eine Autorensoftware.
Gruß
Stefan

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Hm, Leichtes Schreiben generell im Buch umsetzen? 10 Jan 2017 10:04 #5279

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Bei Print muss wirklich der Autor selbst dafür sorgen. Verwendet er eine schwer lesbare Schrift in der Vorlage 'Brief', na ja, dann kan es der Leser schwer lesen.

Beim eBook hingegen wird die Standardschrift genommen und lediglich Einrückungen und Absatzabstände von der abweichenden Vorlage übernommen. Einfach deshalb, weil man nicht jede Schrift ohne sehr großen Platzaufwand (> Downloadzuschlag bei Amazon) auf den Reader übernehmen kann - abgesehen davon geht gar nicht jede, muss eine *.otf sein - und es damit zu optischen Fürchterlichkeiten kommen würde.

Aber grundsätzlich glaube ich schon, dass man dem Autor möglichst alle Freiheit lassen soll. Auch die für schlechten Geschmack und unlesbare Bücher.

Viele Grüße
Martin
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Hm, Leichtes Schreiben generell im Buch umsetzen? 10 Jan 2017 12:54 #5280

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Hallo Wic,

deine Absicht mag hehr sein, die Auswirkung ist furchterregend.
Das geht mir in die Richtung: Bedienen und befördern wir mit möglichst vielen Mitteln die Verdummung der Menschen.

Wenn eine (geistige) Behinderung vorliegt, werden dem Niveau angepasste Texte wie Kinderbücher oder ähnliches verwendet. Eine Schwächung der Sehkraft ist keine Schwächung des Verstandes. Wenn die kognitiven Fähigkeiten nachlassen, braucht es mehr Zeit, nicht weniger Inhalt oder Ästhetik.

Leicht lesbar wird etwas durch eine bildhafte Sprache, nicht durch 3WortSätze.

gruss maraka
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Hm, Leichtes Schreiben generell im Buch umsetzen? 10 Jan 2017 19:34 #5281

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Sorry Leute,
ich habe mir eigentlich nur Gedanken über barrierefreies Publizieren gemacht. Das wir nach wenigen Postings über 'schlechten Geschmack und unlesbare Bücher' (ich wollte ja gerade die Zielgruppe vergrößern) schon bei Unterstützung von Verdummung der Menschen gelandet sind macht mich ehrlich gesagt etwas betroffen.
Ich steige hier aus.
Gruß
Stefan
Gruß
Stefan

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Hm, Leichtes Schreiben generell im Buch umsetzen? 11 Jan 2017 12:02 #5282

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Hallo Wic,

tut mir leid, wenn ich dich verärgert habe, das war gewiß nicht die Absicht.

du sagst
Sorry Leute,
ich habe mir eigentlich nur Gedanken über barrierefreies Publizieren gemacht.


Das ist, wie schon gesagt, eine gute Absicht. Doch wenn du damit in den Sprachfluss selber eingreifst, wie mit diesen Ein-Zeilen-Sätzen, wird das eben ein inhaltliches Thema. Und zugegeben: ich reagiere etwas heftig auf die (stattfindende) Verstümmelung der Sprache, denn ich halte sie für etwas Übergreifendes.

Also nichts für ungut und weiterhin gutes Schreiben

gruß maraka
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Hm, Leichtes Schreiben generell im Buch umsetzen? 11 Jan 2017 13:35 #5283

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Hey Stefan,

deine Reaktion verstehe ich nicht. Dass sich aus einem Posting eine Diskussion entfaltet, ist nicht nur zu erwarten, sondern auch etwas Bereicherndes. Passiert doch z.B. in Facebook pausenlos. Zumal daraus auch ganz anderes berührt werden kann, als ursprünglich gedacht. Ich finde so einen Prozess bereichernd.

Nimmst du von dem Geschriebenen etwas persönlich?
Aber wenn dir etwas nicht guttut und du weg bist, ist das natürlich auch okay.

Viele Grüße
Martin
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Hm, Leichtes Schreiben generell im Buch umsetzen? 11 Jan 2017 17:59 #5284

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Hm, ja, deshalb griff ich die von einem Verlag zur Lese-Hilfe-Unterstützung propagierte "Ein-Zeilen-Satz"-Thematik auf. Mein Ursprungsgedanke lautet nicht "Leute, egal wie, jetzt setzen wir alles blind um", sondern bin am erforschen was sinnvoll ist umzusetzen. Vielleicht habe ich das nicht klar genug vorweg geschoben.
Gruß
Stefan

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Hm, Leichtes Schreiben generell im Buch umsetzen? 11 Jan 2017 18:14 #5285

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Hallo,
es ist gut und sinnvoll, wenn diskutiert wird. Mir rutschten die Ausführungen zu sehr in Negative ab, weg vom eigentlichen Thema ggf Regeln (die ja nicht von mir stammen) zu berücksichtigen, um eine noch sinnvolle Unterstützung in Texte einfließen zu lassen.
Ich nehme mit, dass derlei Regeln eher kontraproduktiv gesehen werden (nett umschrieben).
Trotzdem bin ich eher dafür weitere Zielgruppen einzubeziehen und Unterstützung zu bieten (ohne gleich unlesbare Texte zu produzieren), statt dafür 'verhungern zu lassen'.
Gruß
Stefan

(http://www.Stefan-Wichmann.de)
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Hm, Leichtes Schreiben generell im Buch umsetzen? 04 Jan 2018 03:28 #5889

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Hi Stefan.

Ich sehe, daß Du seit März nichts mehr geschrieben hast, halte also für möglich, daß Du hier meinen Beitrag nicht lesen wirst.

Trotzdem, der Sache halber: Von "Leichter Sprache" halte ich nichts, bzw. halte ich sie für einen Rückfall in [gedachte] Barbarei. Die Einschränkung in eckigen Klammern gilt der Tatsache, daß reale sogenannte Barbaren wohl Angehörige einer schriftlosen Kultur waren, in welcher mündliche literarische anspruchsvolle semi-ritualisierte bis ganz ritualisierte Traditionen vorhanden waren.

Auch macht es mich eher aggressiv, wenn die wertende Meinung anderer erbeten wird, sie dann aber als "zu-sehr-ins-Negative-rutschend" (?!) abgeblockt werden soll.

Und ob "Leichte Sprache" oder elaboriertes Ziselieren, "liest" schreibt man und spricht man (!) so, und nicht mit "ß". Alles andere ist einfach kein Deutsch. Und "...das meine Augen..." schreibt man und spricht man "dass", oder "daß". Von der Interpunktion im ersten Beitrag abgesehen... Deine späteren im Strang übersehe ich absichtlich "voll imperialer Gnade". :)

In diesen Sachen bin ich als Nicht-Deutscher eher penibel. Ich habe Eure Sprache zu schätzen gelernt, und wenn 's die Sprache meiner letzten Gerade im Alter nach dem Trott und Galopp eines ganzen Lebens geworden ist, dann will ich sie lieben und nicht vergewaltigen.

Ich möcht mal sehen, was aus einem würde, der in Frankreich, Spanien, Italien, Portugal, China, Japan, p.p.p. und so weiter und so fort mit "Leichter Sprache" käme! Auh, weiha... Da gäb' 's aber Musik!

Herzlich
Abifiz
Meine sehr kluge Signatur befindet sich noch in der Herstellungsphase. Falls keine gravierenden Inkompatibilitätsprobleme auftauchen werden, rechne ich mit ihrer Lieferung für das 1. Quartal 2034. Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen.
Letzte Änderung: 04 Jan 2018 03:39 von Abifiz.
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