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THEMA: Seht ihr hier grammatikalische Zeitprobleme?

Seht ihr hier grammatikalische Zeitprobleme? 02 Jun 2017 00:31 #5725

  • tatwort
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Ein Absatz aus meinem Roman: Tamara denkt über Fragen nach, die ihr ihre Freundin zum Glück nicht stellt.

Tamara schüttelte den Kopf, ohne etwas zu sagen. Ihre Freundin war rücksichtsvoll, sie fragte nie nach. Willst du in Miete wohnen? Kannst du dir ein Haus leisten? Was willst du arbeiten? Was hast du gelernt? Sie stellte solche Frage nicht. Nur ungern würde sie über diese Dinge reden wollen.
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Seht ihr hier grammatikalische Zeitprobleme? 02 Jun 2017 09:01 #5727

  • Andrea
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Hallo Rudolf und guten Morgen,

ich habe damit kein Zeitproblem, weil man solche Fragen im direkten Gespräch ja auch im Präsens stellen würde.

Eine Idee wäre es vielleicht, einen Doppelpunkt zu setzen:
... fragte nie (nach): Willst du in Miete wohnen? Kannst du ...

Funktioniert - für mich - aber ebenso gut ohne :)

Lieben Gruß
Andrea
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Seht ihr hier grammatikalische Zeitprobleme? 02 Jun 2017 17:35 #5728

  • maraka
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Hallo Rudolf,

ein Zeitproblem sehe ich auch nicht. Nur ein Plural wär gut bei ... Sie stellte solche Frage nicht.

...Nur ungern würde sie über diese Dinge reden wollen. Bezieht sich das "sie" auf die Freundin oder auf Tamara?

liebe grüße
maraka
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Seht ihr hier grammatikalische Zeitprobleme? 02 Jun 2017 22:47 #5729

  • Angela
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Hallo Rudolf,

ich würde die "Frage" auch lieber im Plural sehen - es sind ja mehrere.
Wenn du den Doppelpunkt setzt ist vielleicht noch klarer erkennbar, wer diese Fragen nie stellen würde.
Ein grammatisches Zeitproblem sehe ich auch nicht.

Grüße dich lieb
Angela
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Seht ihr hier grammatikalische Zeitprobleme? 02 Jun 2017 23:23 #5730

  • tatwort
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Vielen Dank für eure Rückmeldungen.

Okay, Fragen natürlich im Plural – war ein Fehler von mir.

Die Fragen im Präsens waren mir aufgestoßen. Aber eure Empfindungen diesbezüglich sind da ja alle gleich, deshalb mache ich mir da jetzt keinen Kopf mehr und lasse sie so.
Den Doppelpunkt muss ich mal auf mich wirken lassen. Rein logisch habt ihr da recht, aber ein Doppelpunkt ist eine Lesebremse. Mal sehen.

Wenn ich die Fragen nicht im Präsens formuliere oder mir umständliche Konjunktive basteln würde, dann wären sie halt sehr schlecht lesbar.

Vielen Dank euch allen.

Liebe Grüße

Rudolf
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Seht ihr hier grammatikalische Zeitprobleme? 03 Jun 2017 07:37 #5731

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Guten Morgen Rudolf,

wie gesagt, es passt auch ohne Doppelpunkt. Und bitte auf gar keinen Fall irgendwelche Konjunktivkonstruktionen basteln.

Du hast zwar jetzt nur nach einem etwaigen Zeitproblem gefragt, aber ich hätte trotzdem noch einen Vorschlag.
Diesen Satz würde ich umstellen: Sie stellte solche Fragen nicht.
Solche Fragen stellte sie nicht.

Und wie maraka schon angemerkt hat, ist im letzten Satz nicht ganz klar, welches "sie" jetzt ungern darüber reden würde. Ich gehe von Tamara aus, aber wirklich eindeutig ist es nicht (könnte sich aber evtl. aus dem Vorherigen ergeben).

Lieben Gruß
Andrea
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Seht ihr hier grammatikalische Zeitprobleme? 03 Jun 2017 11:06 #5732

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Hallo und guten Morgen,

eine andere Möglichkeit wäre, die (nicht gestellten) Fragen kursiv zu drucken, also Willst du in Miete wohnen? etc.

Herzliche Grüße
Ernst
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Seht ihr hier grammatikalische Zeitprobleme? 03 Jun 2017 12:05 #5733

  • Martin
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tatwort schrieb:
Tamara schüttelte den Kopf, ohne etwas zu sagen. Ihre Freundin war rücksichtsvoll, sie fragte nie nach. Willst du in Miete wohnen? Kannst du dir ein Haus leisten? Was willst du arbeiten? Was hast du gelernt? Sie stellte solche Frage nicht. Nur ungern würde sie über diese Dinge reden wollen.

Bom dia Rudolf,

hatte viel um die Ohren vergangene Woche, deshalb erst jetzt (Aaaber es war u.a. deshalb sehr spannend: Patchwork auf dem Mac. Geht und sieht witzig aus, wenn es plötzlich links oben die drei Mac-Knöpfe hat anstatt der Windows-Knöpfe rechts oben. Sehr cool, sehr toll).

Die ›saubere‹ Lösung wäre ein Konjunktiv in der Weise: ›Sie fragte nie nach, ob ich in Miete wohne wolle oder ...‹. Aber der passt nicht immer, wirkt mitunter auch etwas gestelzt.

Was definitiv keine Lösung ist (sorry, Ernst) ist Kursivsetzung. Aber da haben wir ja auf FB schon gefühlte tausend Mal diskutiert und im Buch steht es auch noch einmal beschrieben, weshalb.

Ich würde es minimal umformulieren, vielleicht so:

›Ihre Freundin war rücksichtsvoll, sie fragte nie nach. Zum Beispiel (oder: Solche Sachen wie): ›Willst du in Miete wohnen?‹ oder ›Kannst du dir ein Haus leisten?‹, ›Was willst du arbeiten?‹, ›Was hast du gelernt?‹ Sie stellte solche Frage nicht.‹

Gegen das Präsens finde ich nicht, dass es was auszusetzen gäbe. Aber ich würde die Fragen als solche kennzeichnen, wofür ich einfache Anführungszeichen passend finde. Wie auch bei einer direkten Rede innerhalb einer direkten Rede (Heftig gestikulierend rief sie: »Kanst du dir das Vorstellen? Sagt der Idiot doch tatsächlich zu mir: ›Hey, Zicke, mach Mücke!‹«).

Liebe Grüße
Martin
Letzte Änderung: 03 Jun 2017 12:07 von Martin.
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Seht ihr hier grammatikalische Zeitprobleme? 03 Jun 2017 16:26 #5734

  • Andrea
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kursiv - bitte auf keinen Fall!
Wenn schon ein Doppelpunkt bremst, bremsen diese Anführungszeichen erst recht - finde ich zumindest, schon allein, weil das Schriftbild damit so unruhig wird. Ich meine auch, dass Anführungszeichen aufgrund des nachfolgenden Satzes Sie stellte solche Frage nicht. gar nicht notwendig sind. Diese Fragen wurden ja eben nicht gestellt, gehen Tamara nur so durch den Kopf, von daher würde ich sie jetzt auch nicht besonders herausstellen.
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Seht ihr hier grammatikalische Zeitprobleme? 03 Jun 2017 23:20 #5735

  • tatwort
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Hallo!

Ihr habe natürlich recht. Das mit dem „sie“, ist wahrlich nicht einfach, wenn sich zwei Frauen unterhalten bzw. sich gegenseitig so ihre Gedanken voneinander machen. Zu oft darf man die Namen nicht nennen und wer gerade mit sie/ihr gemeint ist, muss stets klar erkennbar sein. Ich handhabe das zusätzlich über den Kontext. Das geht aus dem hier vorgestellten kleinen Absatz natürlich nicht klar hervor, im größeren Text aber schon.

Aber genau das ist auch so eine Sache. Als Autor weiß man stets genau, wer da gerade gemeint ist. Der Leser hat jedoch nur den Text zur Verfügung. Als Autor kann man den Text nicht lesen und gleichzeitig sein Hintergrundwissen ausschalten – eine enorm große Fehlerquelle.

Der Konjunktiv ist viel zu gestelzt, erst recht, da es mehrere Fragen dieser Art sind. Da habt ihr alle recht.
Kursiv im Text geht bei mir gar nicht – nie. Es gibt so viele Wörter und Kombinationen davon, da muss es einem als Autor doch möglich sein, dass man das, was man mit der Kursivsetzung ausdrücken möchte, mit Worten beschreibt. Bitte nicht übel nehmen, Ernst. Ich habe sehr wohl verstanden, dass du konstruktiv Hilfestellung geleistet hast. Die Kursivsetzung wäre ja auch eine gangbare Art, wenn ich dem Thema nicht so ganz und gar feindlich gegenüberstehen würde.
Anführungszeichen sind bei mir ebenfalls nur der reinen wörtlichen Rede vorbehalten. Die einfachen Anführungszeichen verwende ich nicht (musste ich zum Glück bisher nicht), weil ich eher die Sätze umformuliere und dann auch bisher immer ohne ausgekommen bin.

Es ist ja der Trick, wenn ich das mal so bezeichnen darf, dass man dem Text nicht wirklich ansieht, ob nun jemand denkt oder ob der Erzähler gerade sein Wissen preisgibt oder ob es sich um erlebte Rede handelt. Das ineinander übergehen zu lassen, da stören Formatierungen und Satzzeichen nur, meine ich.

Aber ich bin sehr erfreut über eure Mitwirkung, das möchte ich hier unbedingt einmal sagen.

Etwas noch, Martin: Patchwork auf dem Mac geht? Mit WIN-Simulation oder kommt da was, worauf sich die Applefans freuen dürfen? Stichwort iPad? Ich frage ja nur, weil ich bisher immer ein iPad hatte und nun eigentlich auf das neue iPad Pro gewartet habe. Da aber Patchwork darauf nicht läuft – bisher – denke ich nun über das Surface Pro von Microsoft. Wenn aber doch vielleicht ...


Vielen Dank, liebe Grüße und euch schöne Pfingstfeiertage

Rudolf
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Seht ihr hier grammatikalische Zeitprobleme? 05 Jun 2017 21:24 #5739

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Hallo Rudolf,

ein Doppelpunkt bremst? Mich nicht, ich erwarte dann eher etwas. Z.B. Zitat, wörtliche Rede, Zusammenfassung, Erklärung oder ähnliches. Manchmal finde ich es sinnvoll, wenn man das ganze Spektrum an Zeichen nutzt. Wozu gibt es die sonst? Natürlich muss es passen. Aber ... wer entscheidet das? ;-)

Kursiv wäre für mich sinnvoll, wenn ich im Kopf eines Protas bin und er mir seine Gedanken preisgibt. Auch bei Briefe, Erinnerungen und wenn es sein muss auch Rückblicke.

Die Meinungen sind verschieden, auch bei der Leserschaft. Aber, das ist ja auch der Sinn unserer Disskusionen ;-)

Viele liebe Grüße und einen schönen Dienstbeginn nach den Feiertagen
Angela
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