Stichwort
Willkommen, Gast
Handwerkliche Praxis: von Perspektiven bis zu Rückblicken. Hier bitte KEINE Rechtschreibthemen, diese unter Nachschlag(en)

THEMA: Frage zu 'show don't tell'

Frage zu 'show don't tell' 15 Nov 2015 00:17 #3752

  • Kerstin B.
  • Kerstin B.s Avatar
  • OFFLINE
  • Schreibinfiziert
  • Beiträge: 156
Nabend zusammen,

in meinem Text werden von PW einige Wörter rot umrahmt, was bedeutet ich soll hier show'n statt tell'n.

Ich hab keine Ahnung wie ich das bei folgendem Beispiel machen soll. Vielleicht kann mir jemand helfen?

Sie wusste nicht, was gerade geschehen war.
"Ich dachte, ich würde sterben"

Wie zeigt man "wusste" und "dachte"? :blink:
Liebe Grüße,
Kerstin
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.

Frage zu 'show don't tell' 15 Nov 2015 00:27 #3754

  • Martin
  • Martins Avatar
  • OFFLINE
  • Steuermann
  • Beiträge: 1455
  • Dank erhalten: 18
Liebe Kerstin,

SHow-don't-tell-Verdacht ist wohl eher eine der schwachen Stilprüfungsoptionen. Abgesehen davon, dass die Stilprüfung in der direkten Rede nicht unbedingt beachtet werden muss - direkte Rede soll ja wiedergeben, wie jemand redet und da ist, so plauseibel, fast alles erlaubt, solange es fließend lesbar ist - können solche Worte wie die monierten ein Hinweis sein. Wie bei allen Stilprüfungsoptionen: können!

Der Satz ›Sie wusste nicht, was gerade geschehen war‹ ist aber nicht ganz zu unrecht markiert: den gibt es wenn, dann nur in einer auktorialen Perspektive. Personal nicht, denn da heißt es etwa: »Ratlos strich sich Emmerich übers Kinn. Was war denn jetzt geschehen?« Da man ja in dieser Person ist, gibt es kein dachte, vermutete usw. Du denkst ja auch nicht ›ich dachte‹, sondern du denkst es einfach.

Bei der direkten Rede, wenn also wer erzählt, ist es völlig okay so, siehe oben.

Viele Grüße
Martin
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.

Frage zu 'show don't tell' 15 Nov 2015 00:35 #3755

  • Kerstin B.
  • Kerstin B.s Avatar
  • OFFLINE
  • Schreibinfiziert
  • Beiträge: 156
Danke Martin,

da hast du gleich einen Fehler entdeckt, der mir sogar mehrfach passiert ist. Sehr schön. :)
Die Perspektiven machen mir zu schaffen, aber ich lerne und glaube besser zu werden. Man wird sehen.

Offenbar hängt es auch mit dem Satz zusammen, indem das 'wusste' steckt.

Sie wusste, dass sie nichts daran ändern konnte.
Oder ist das nun auch wieder auktorial?
Liebe Grüße,
Kerstin
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.

Frage zu 'show don't tell' 15 Nov 2015 00:59 #3758

  • Martin
  • Martins Avatar
  • OFFLINE
  • Steuermann
  • Beiträge: 1455
  • Dank erhalten: 18
Liebe Kerstin,

bei den beiden personalen (er/sie oder ich) brauchst du dich nur zu fragen, ob du selbst so denken würdest.

Eine Situation ist nicht (mehr) zu ändern. Würdest du denken: »Ich denke, ich kann nichts ändern«? Wahrscheinlich nicht, du reflektierst dich selbst ja nicht. Du würdest denken: »Scheiße. Da kann man nichts mehr machen.« Ergo: ›Sybille stand vor der hinutergefallenen Flasche Rotwein. So ein Mist, die ganzen Schreben in der Soße drin. Und der gute Rotwein! Ein Knabberneh 1723 Sonnseite! Sie seufzte. Na ja, was hilft's, daran konnte man jetzt auch nichts mehr ändern.‹

Langer Rede kurzer Sinn: Meistens wäre es auktorial, ja. Aber es kann natürlich auch Fälle geben, wo es anders gar nicht geht. Zum Beispiel:

»Du bist ein echt blöder Mensch, die Weinflasche fallen zu lassen«, sagte sie, während sie dachte, dass man ohnehin nichts ändern konnte.

Aber auch das ginge ohne das ›dachte‹.

»Du bist ein echt blöder Mensch, die Weinflasche fallen zu lassen«, sagte sie. Aber warum regte sie sich groß auf? Ändern konnte man ohnehin nichts mehr.

Besser: Während sie lächelnd »Hallo!« sagte, dachte sie: Arschloch.

Liebe Grüße
Martin
Der Administrator hat öffentliche Schreibrechte deaktiviert.