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THEMA: Ein offenes Wort an Euch

Ein offenes Wort an Euch 18 Nov 2015 12:16 #3809

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Hallo,

ich möchte Euch einen Zwischenstand mitteilen: Ich überarbeite das erste Kapitel meines Romans, und es hat mich auf so viele Dinge aufmerksam werden lassen! Wenn ich damit fertig bin, werde ich das Kapitel wieder einstellen.
Nochmals vielen Dank für Eure Hilfe! Inzwischen habe ich hier so einiges gelesen, was mich wirklich etwas verstört hat. :dry:
Naja, mir geht es bloß darum das niemand denkt, ich hätte mich "verdünnisiert". Ich lese viel hier, aber ich halte mich mit meiner Meinung zurück. Dazu weiß ich einfach noch zu wenig vom Schreiben.
Ich schreibe seit einem Jahr, und habe bis jetzt einen kompletten Roman geschrieben. Von ihm stammt das erste Kapitel. Mein zweiter Roman ist fast fertig, und es soll ein Thriller sein. Ob es mir gelungen ist, das ist eine andere Frage. Doch am zweiten Roman kann ich seit einigen Tagen nicht mehr weiter schreiben.
Offenbar bin ich doch kein "Bauchschreiber", sondern eher ein "Planungsschreiber". Irgendwie habe ich den Überblick verloren, und weiß gar nicht mehr welche Informationen ich darin preis gegeben habe, und welche noch nicht. Das ist ein saublödes Gefühl, und ich hätte gern darauf verzichtet.
Im Augenblick bin ich ratlos, und kann "nur" an der Überarbeitung weiter machen.
Wer hat einen Rat für mich?

Liebe Grüße von Marko
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Ein offenes Wort an Euch 18 Nov 2015 12:39 #3810

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Newcomer schrieb:
Irgendwie habe ich den Überblick verloren, und weiß gar nicht mehr welche Informationen ich darin preis gegeben habe, und welche noch nicht. Das ist ein saublödes Gefühl, und ich hätte gern darauf verzichtet.
Im Augenblick bin ich ratlos, und kann "nur" an der Überarbeitung weiter machen.
Wer hat einen Rat für mich?
Dieses Gefühl der Ratlosigkeit ›was steht wo‹ kenne ich ganz ausgezeichnet! So war das auch eine der ersten Optionen, die ich seinerzeit in das noch bescheiden kleine Patchwork einbaute: die Kontexte.

Ein Kontext ist ein Thema und von denen kann man pro Werk beliebig viele haben. Ein Beispiel:

Kontext wäre der Tatort in einem Krimi.

An dem Tatort geschehen eine Menge Sachen, schön über die ganze Geschichte verteilt. Da ist die Küche (der Tatort also) vor dem Mord, die Familie trifft sich dort, mal mit, mal ohne Besuch. Dann der Mord in der Küche. Wie er entdeckt wird. Die Polizei. Die Küche wird versiegelt. Das Siegel wird von einem Unbekannten gebrochen. Es wird entdeckt und zieht Nachforschungen am Tatort nach sich. Und und und. Alle fein säuberlich auf 300 Seiten verteilt. Und dann denkt man: ›hab ich das schon gesagt/gezeigt/erwähnt?‹ oder ›Was hatte X damals an?‹. Im Normalfall jedes Mal mächtiges Blättern und suchen.

In Patchwork legst du einen Kontext an. Dann suchst du die Stellen einmal (am besten ist es, das Buch einmal durchzugehen und im Laufe dessen viele Kontexte anzulegen und gleich zu bestücken). Findest du eine Stelle, setzt du den Cursor an die Textstelle und klickst auf ›Kontext hinzufügen‹. Dazu gibst du einen Kurztext ein: ›Erste Beschreibung‹, ›Müllers auf Besuch‹ (später Verdächtige z.B.), ›Mord‹, ›Spurenermittlung‹ usw. Damit bekommst du jedes Mal zu dem Kontext ›Tatort‹ eine weitere Zeile in der Kontextaufstellung.

Wenn du später was suchst, brauchst du nur auf die Zeilen in der Liste klicken und hast sofort die passende Stelle in der Geschichte vor dir.

Viele Grüße
Martin

P.S.: Zum Schreiben allgemein: Speziell am Anfang sind Bemerkungen zum eigenen Text oft sehr verstörend und lassen einen an sich zweifeln (im schlimmeren Fall an den andern). Aber Geschichten zu schreiben bedeutet bei Null anzufangen mit dieser Kunst. Auf die Idee kommen wir aber leider nicht, denn wir denken, das in der Schule ja gelernt zu haben. Irrtum! In der Schule lernten wir notdürftig, unsere inneren Bilder in Worte zu kodieren. Aber vom Geschichtenschreiben haben wir nichts gelernt!
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Ein offenes Wort an Euch 18 Nov 2015 12:39 #3811

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Hallo Marko,

mit deiner Meinung brauchst du dich nicht zurückhalten. Die ist grundsätzlich gefragt ;)

Zu deinem Problem:
Mach von den bisher vorhandenen Kapiteln eine Kapitelübersicht:

- Schreibe rein, was passiert, alles ganz knapp gehalten in 3 - 5 Sätzen
- Personen/Orte/Gegenstände
- aus welcher Sicht

das hilft beim Sortieren und vllt. auch auf die Sprünge, wie es weitergehen soll bzw. du siehst, welche Kapitel du ändern musst.
Liebe Grüße

Sheila
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Ein offenes Wort an Euch 18 Nov 2015 12:57 #3812

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Okay, noch ergänzend und mit technischen Hinweisen zu dem von Sheila Gesagten (was ich eigentlich als bereits getane Grundvoraussetzung erachtete):

1. Kapitel in Szenen zerlegen und ihnen einen griffigen Namen geben. Szenenwechsel fallen bei jedem Zeiten-, Orts- und Perspektivenwechsel an und im fertigen text erkennt man sie als Leerzeilen oder ***-Absätze.

2. Das von Sheila Erwähnte bei der Szene in den Pitsch der jeweiligen Szene schreiben (rechts oben). Du kannst aus diesen Pitches im Exposébereich eine Auftsellung generieren lassen, also eine Inhaltsangabe deines Buches.

Trotzdem: die Kontexte sind eine der wichtigen Sachen. Diese allerdings erst anlegen, wenn alles passend in Szenen aufgeteilt ist.

Auch wenn das jetzt ein wenig viel ist: Schau dir mal den Szenencheck an, mit dem du in der ersten Stufe deine Szenen in ihrer Dynamik bewerten kannst.

Viele Grüße
Martin
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Ein offenes Wort an Euch 19 Nov 2015 11:08 #3813

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Hallo Martin,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Das hilft mir auf jeden Fall weiter, aber bei über 160 A4-Seiten ist es eine Menge Arbeit bis ich alles sortiert habe.
Auch Deine zweite Antwort ist sehr hilfreich für mich, und ich muss jetzt alles überprüfen.


Herzliche Grüße, Marko
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Ein offenes Wort an Euch 19 Nov 2015 11:11 #3814

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Hallo Sheila,

vielen lieben Dank für Deinen Klasse-Tipp, ich mache mich an die Arbeit.

Liebe Grüße, Marko
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Ein offenes Wort an Euch 19 Nov 2015 15:24 #3815

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Hallo Marko,

ja, am Anfang ist es alles ein bisschen viel. Und viel Arbeit ist es sowieso. Leider habe ich vergessen, wie oft King überarbeitet. Ich meine manchen Werke waren im zweistelligen Bereich. Also frohes Schaffen!

Und ein anderer Tipp:
Versuche nicht alles auf einmal umzusetzen. Erst das Wichtigste, dann der nächste Schritt usw.

Ich habe mal lange an einer Szene herumgeschrieben, aber letztendlich taugte der Plot des Gesamtwerkes nichts. Öhm, das Manuskript habe ich inzwischen vernichtet.

Es ist halt so, wie Martin sagt, Schreiben lernt man nicht in der Schule. Und die Entwicklung dauert. Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Dein erstes Werk muss nicht massentauglich sein. Es ist auch so etwas Besonderes.

Viele Grüße
Lucy
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Ein offenes Wort an Euch 20 Nov 2015 11:24 #3820

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Hallo Lucy,

vielen Dank für Deine motivierenden Worte. Ich freue mich, dass Du mein erstes Werk als etwas Besonderes ansiehst. Wahrscheinlich erwarte ich zuviel von mir, und ich bin ein elender Perfektionist.
Bis ich wirklich mit einer Szene oder einem Absatz zufrieden bin, vergeht eine Menge Zeit.
Aber zu 100% war ich noch nie zufrieden, das schaffe ich nicht.

Herzliche Grüße, Marko
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