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THEMA: Was ist passiert?

Was ist passiert? 04 Mär 2017 13:07 #5333

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Hallo liebe Autorinnen und Autoren,

im Augenblick arbeite ich gerade fieberhaft an meinem dritten Roman, der sich mit zwei Familien befasst, die miteinander zerstritten sind. Jedoch fällt mir dabei immer öfter auf, dass meine Protas beinahe machen was sie wollen. Der Verlauf der Handlung trägt mich während des Schreibens in eine Richtung und ich muss entscheiden, ob es für die gesamte Handlung sinnvoll oder eher nebensächlich ist. Meistens erachte ich es für sinnvoll und finde es gut, wie sich die Story entwickelt.
Ist Euch das auch schon passiert? Und wenn ja, wie geht Ihr dann in so einem Fall vor?
Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir etwas dazu aus Euren Erfahrungen antwortet.

Herzliche Grüße von Marko
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Was ist passiert? 05 Mär 2017 14:13 #5334

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Hallo Marko

Das kenne ich auch. Zurzeit gehe ich normalerweise damit so um.

Wenn es ein eigener Text ist, (Kreativtext) schreibe ich die beim Schreiben entstandenen Ideen mit in den Text. Manchmal auch 2 oder 3 davon. Ich habe dann mehrere Versionen und sehe sie mir mit einigem zeitlichem Abstand wieder an. Erst dann entscheide ich über die Annahme oder Ablehnung der Ideen. Manchmal bemerke ich erst einige Kapitel später, dass sich eine Idee nicht gut entwickeln lässt usw. Im Zweifelsfall bleibe ich beim Szenenplan.

Wenn ich einen fremden Text überarbeite, halte ich mich natürlich an die vorgegebene Story etc. Wenn ich in einem Team arbeite, gehe ich damit wie bei einem eigenen Text um.

Bisher hat es auf diese Weise einigermassen geklappt.

Gruss
Walter
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Was ist passiert? 05 Mär 2017 21:45 #5335

  • Angela
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Hallo Marko,


was gibt es besseres, als dass die Figuren ihren eigenen Weg gehen wollen?
Du hast sie erschaffen, ihnen einen bestimmten Charakter und Ziele gegeben. Was spricht dagegen, dass sie dir sagen , was sie wollen?
Mir sagt es, dass du nur auf dem richtigen Weg sein kannst.

Wenn ich ehrlich bin ... warte ich noch auf die Reaktion meiner Protas ...

Also ... passen die Ideen deiner Protas in den Plot?
Kommt drauf an, nach welchen Plänen du arbeitest: Stufendiagramm, Heldenreise etc. ... sei flexibel ... ich würde meinen Charakteren immer eine Chance geben.....

grüsse dich lieb
Angela
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Was ist passiert? 05 Mär 2017 23:31 #5337

  • Martin
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Newcomer schrieb:
... Jedoch fällt mir dabei immer öfter auf, dass meine Protas beinahe machen was sie wollen. Der Verlauf der Handlung trägt mich während des Schreibens in eine Richtung und ich muss entscheiden, ob es für die gesamte Handlung sinnvoll oder eher nebensächlich ist.
Lieber Marko,

leider muss ich dir sagen, dass das ein Zeichen dafür ist, dass Plot und Figuren nicht festgestanden sind, bevor du begonnen hast. Das ist bei mir nur einmal unverständlicherweise gut gegangen (Lachsspringen), geht aber normalerweise daneben. Es braucht dann jede Menge Energie, das fehlende Plot- und Figurengerüst nachzubauen und die Geschichte dann da hineinzubiegen.

Zwei meiner Romane, einer davon fast fertig, warten aber aus diesem Grund auf eine sehr heftige Überarbeitung. So heftig, dass sie vermutlich ewig liegenbleiben werden, denn es ist weniger Arbeit etwas Neues sauber zu beginnen. Ganz zu schweigen von Schreibblockaden und all dem Kram, die ihre Ursachen meistens in derselben Wurzel haben.

Angela schrieb:
was gibt es besseres, als dass die Figuren ihren eigenen Weg gehen wollen?
Leider alles, Angela. Es bedeutet, dass kein Plan da ist und leider merkt man das dann später beim Lesen sehr, wenn die Struktur fehlt. Du wartest auf die Reaktion deiner Protgagonisten? Unsere Figuren sind aber nicht freundliche Mitmenschen, die sich ausdenken, wie sie uns was Gutes tun können. Die gibt es im Real Life nämlich auch fast nie. Sie sind vielmehr Wesen, die Gewehr bei Fuß stehen, dich fragend ansehen und sagen: »Und? Wie geht's weiter?«

Liebe Grüße
Martin
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Was ist passiert? 06 Mär 2017 18:03 #5338

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Hallo Martin,

das würde ich nicht unterschreiben. Wenn sich die Handlungen des Protagonisten gemäss seines Charakters etc. verändern, ist das aus meiner Sicht kein Problem. Erst wenn er sich für den Leser nicht nachvollziehbar verhält, besteht aus meiner Sicht ein Problem. Ideen nach dem Plotten sind nicht grundätzlich schlecht oder abzulehnen. (Meine Meinung)

Von den Discovery-Writern will ich schon gar nicht anfangen. Aber eben, jeder wie er will und kann.

Gruss
Walter
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Was ist passiert? 09 Mär 2017 21:24 #5342

  • Angela
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Hallo Martin,

der Plot muss stehen, das stimmt auf jeden Fall. Aber das ist nur das Gerüst und lässt noch etwas Spielraum.

Ein Beispiel: Meine Prota trug einen inneren Konflikt aus. Ich wollte, dass sie sich zusammenreißt. Sie hat noch so einiges zu tun und soll sich auch noch entwickeln.
Ich weiß nicht, wie sie mich herumbekommen hat. Aber ich habe sie tatsächlich in den Wald gehen und schmollen lassen. Dann kamen mir neue Gedanken und ich habe einen neuen Nebenplot.
Ich betrachte sie wie mein Kind. Sie darf ihre Gedanken einbringen, aber ich entscheide, ob es gut für sie ist.

Meinst du, ich komme dann total vom Weg ab? Es gibt ja nur einen neuen Nebenhandlungsstrang.

grüße dich lieb
Angela
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Was ist passiert? 12 Mär 2017 01:09 #5354

  • Martin
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Hallo Angela und Varlin,

selbstverständlich ist Spielraum. Aber überlegen wir einmal. Hier als Beispiel der letzte Punkt des Fünfakters (mit dem man anfangen sollte, weil ma ja im Auge haben muss, wohin die Geschichte gehen soll):

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Letzter (5.) Akt
Unerwartet (aber glaubwürdig!) steht das Ziel vor Augen, ist auf einmal erreichbar!
Es gelingt dem Helden zum Beispiel, verborgene Kräfte zu mobilisieren, er erinnert sich an sein Amulett oder ein Gefährte stößt zu ihm, er sieht sein Ziel so nahe vor sich (seine Geliebte am Marterpfahl), dass ihm schier Unglaubliches gelingt.
Dieser Höhepunkt ist die Belohnung für den Leser! Er beantwortet alle brennenden Fragen.
Höhepunkte von Nebenfiguren finden vor dem Höhepunkt des Protagonisten statt.
Hier wird der Gipfel der Werte verkörpert, auf die es dem Protagonisten am Beginn seiner Reise ankam.
Es kann aber genauso das Finden eines Schatzes sein, das Erobern einer Prinzessin, das Töten des Drachens.


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Das also ist das Ziel, das wir genau kennen sollten!
Dem steht als Gegenpol der Anfang, die Ausgangssituation gegenüber:

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Erster Akt
Einstieg in die Geschichte:
· Leser ködern
· Hauptfigur charakterisieren
· Thematik zeigen
Beginn mit dem Gegenpol zur Auflsöungssituation.
Wie ist die Hauptfigur, wie lebt sie? Wo sind ihre Schwächen, wo ihre Stärken und welche Werte hat die Figur?
Leise wird hier ein Mangel, eine Unzufriedenheit erkennbar. Liebeskummer, Trauer, Geldmangel, nichts zu essen ...
Hier ausarbeiten der Hauptfiguren im Figurenblatt: Protagonist und ggf. Antagonist und Mentor des Protagonisten. Die Eckpunkte zu den Figuren dann in den Reitern unter der Figur eintragen. Evtl. Bilder zu den Figuren suchen und eintragen.


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Mit diesen beiden Eckpunkten sind schon recht konkrete Vorgaben verbunden. Ich glaube nicht, dass es hilfreich ist, wenn sich ein Protagonist plötzlich aus dieser Landschaft hinausbewegt. Innerhalb dessen ist natürlich alles erlaubt - solange es der Geschichte dienlich ist.

Viele Grüße
Martin
Letzte Änderung: 12 Mär 2017 01:20 von Martin.
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Was ist passiert? 12 Mär 2017 18:18 #5358

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Hallo Martin,

super gut erklärt, danke!

liebe Grüße
Angela
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Was ist passiert? 13 Mär 2017 11:50 #5360

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Upps, kaum bin ich mal ein paar Tage im Urlaub, schon ist hier was los. Soll ich öfters mal weg????

Bei meinem ersten, noch unveröffentlichten Buch/Western war es so, das ich eine grobe Idee hatte und drauf los schrieb. So ab der 50 Seite merkte ich, das ich eine Planung brauche. Also schrieb ich ein Stufendiagramm, das ich dann abarbeitete.

Bei meinem Krimi war es so, dass ich bereits nach der 5. Seite den Wunsch verspürte, mir einen kompletten Plan zu erstellen. Ich sehen natürlich, anders als bei einem Liebesroman, bei einem Krimi eine erhöhte Schwierigkeit, wann der Leser welchen Tipp erhält und logische zeitliche Abläufe sind einzuhalten. (Beerdigung kann nicht vor der der Szene der Rechtsmedizin stattfinden.) Also bin ich „gezwungen“ zu planen.
Ich kann die Protas nicht machen lassen, was sie wollen. Ich weiß wer der Mörder ist und wer verdächtig erscheinen soll. Dass natürlich in den Dialogen, eine meiner Figuren anderes antwortet, wie ich es mir wünsche, hatte ich auch. Ich kann ihnen ja schließlich nicht den Mund verbieten. :lol:
Doch da ich die Szene wie den gesamten Plot behandle (Konflikt, Spannungsbogen, Höhepunkt und überraschende Wendung) weiß ich worauf ich aus bin und muss eventuell meiner Figur, das Wort im Munde umdrehen. :rotfl:

Bei meinem jetzigen Krimi fing ich erst an zu schreiben, als ich den gesamten Plot ausgearbeitet hatte.
Vorteil: mir passieren keine Fehler mehr, da alles logisch durchdacht ist.
Nachteil: Da im eigentlichen Sinne das Buch fertig „geschrieben“ ist, besteht die Gefahr, sich die Lust und die Kreativität zu nehmen. Daran hapert es bei mir momentan.
Was tue ich dagegen? Ich skizziere Szenen auf die ich gerade keine Lust habe und stürze ich auf alles andere und schreibe drauf los.
liebe Grüße

Cora
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Was ist passiert? 13 Mär 2017 12:27 #5363

  • Martin
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CoraSuess schrieb:
Also schrieb ich ein Stufendiagramm, das ich dann abarbeitete.
›Stufendiagramm‹ ist ja ein eher selten verwendeter Begriff im Zusammenhang mit dem Plotten. In Wirklichkeit ist es aber auch nichts anderes als ein Modell, das auf dem Dreiakter basiert.

CoraSuess schrieb:
Ich sehen natürlich, anders als bei einem Liebesroman, bei einem Krimi eine erhöhte Schwierigkeit, wann der Leser welchen Tipp erhält und logische zeitliche Abläufe sind einzuhalten.
Das mag zwar beim Krimi vordergründiger wirken, spielt aber bei jeder Geschichte eine Rolle. So, wie ja auch eine Liebesgeschichte auf einem Plot aufbauen sollte, selbst wenn sie weniger spannend ist. Und ... warum überhaupt weniger spannend?

CoraSuess schrieb:
So ab der 50 Seite merkte ich, das ich eine Planung brauche.
So geht es so gut wie immer! Am Anfang flutscht die Geschichte meistens wie geschmiert - klar, man hat ja eine Idee, die einen begeistert - aber zwischen 10.000 und 15.000 Wörtern ist in der Regel immer der große Einbruch.

CoraSuess schrieb:
Bei meinem jetzigen Krimi fing ich erst an zu schreiben, als ich den gesamten Plot ausgearbeitet hatte ... Nachteil: Da im eigentlichen Sinne das Buch fertig „geschrieben“ ist, besteht die Gefahr, sich die Lust und die Kreativität zu nehmen.
ich denke, dass man beim Plot nicht extrem detailliert vorgehen muss. Wichtig ist nur, dass man die beiden Eckpunkte ›Vorher‹ und ›Nachher‹ definiert und, wenn man einen detaillierten gewählt hat, auch die Zwischenstationen. Das ist wichtig für den dramaturgischen Ablauf. Wie sich aber alles abspielt, muss man ja nicht bis in Kleinigkeiten vorher festlegen. Ich glaube, das ist sehr autorenbezogen.

CoraSuess schrieb:
Ich skizziere Szenen auf die ich gerade keine Lust habe und stürze ich auf alles andere und schreibe drauf los.
Warum hast du auf manche Szenen so gar keine Lust ...?

Viele Grüße
Martin
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Was ist passiert? 13 Mär 2017 13:22 #5365

  • CoraSuess
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Martin schrieb:
CoraSuess schrieb:
Also schrieb ich ein Stufendiagramm, das ich dann abarbeitete.
›Stufendiagramm‹ ist ja ein eher selten verwendeter Begriff im Zusammenhang mit dem Plotten. In Wirklichkeit ist es aber auch nichts anderes als ein Modell, das auf dem Dreiakter basiert.

Ich verwende Stufendiagramm, da ich das so aus meinem Lieblingsbuch „Wie schreibt man einen verdammt guten Roman“ gelernt habe.

CoraSuess schrieb:
Ich sehen natürlich, anders als bei einem Liebesroman, bei einem Krimi eine erhöhte Schwierigkeit, wann der Leser welchen Tipp erhält und logische zeitliche Abläufe sind einzuhalten.
Das mag zwar beim Krimi vordergründiger wirken, spielt aber bei jeder Geschichte eine Rolle. So, wie ja auch eine Liebesgeschichte auf einem Plot aufbauen sollte, selbst wenn sie weniger spannend ist. Und ... warum überhaupt weniger spannend?

Du willst doch nicht im Ernst die Spannung eines Krimis oder Thrillers, mit der eines Liebesromans vergleichen? Die einzigen spannenden Romane schreibt Nora Roberts, aber auch nur, weil das Buch nicht nur aus Romanze besteht. Da ist ein Feuer, oder ein Überfall und was weiß noch.
Aber ich weiß was du meinst. Du hast den Konflikt der Protas vor Augen, der die Geschichte spannend macht. Sagt sie es ihm, oder warum schweigt er, verdammt noch mal! Wenn das nicht wäre, würde der Leser nicht mitfiebern und weiterlesen wollen. Aber bitte, nicht mit einen Krimi vergleichen. ;-)
Obwohl es gibt auch Krimis, die nicht spannend sind, wohl wahr.


CoraSuess schrieb:
So ab der 50 Seite merkte ich, das ich eine Planung brauche.
So geht es so gut wie immer! Am Anfang flutscht die Geschichte meistens wie geschmiert - klar, man hat ja eine Idee, die einen begeistert - aber zwischen 10.000 und 15.000 Wörtern ist in der Regel immer der große Einbruch.

Es war nicht der große Einbruch, sondern ich merkte, ich brauche ein Struktur um nicht durcheinander zu kommen. Deshalb hatte ich auch irgendwann mal die Wochentage eingeführt.
Ich habe bei vielen Büchern, die ich lese das Gefühl, die Polizisten gehen nie schlafen. Alles findet an einem Tag statt, bis zu dem Augenblick, wo man mal liest … die Woche danach … ect.
Ich hätte die Wochentage nach Fertigstellung auch wieder entfernen können
, doch der Leser dankte es mir, da er sich noch tiefer in die Ermittlungsarbeit hineinversetzen konnte.

CoraSuess schrieb:
Bei meinem jetzigen Krimi fing ich erst an zu schreiben, als ich den gesamten Plot ausgearbeitet hatte ... Nachteil: Da im eigentlichen Sinne das Buch fertig „geschrieben“ ist, besteht die Gefahr, sich die Lust und die Kreativität zu nehmen.
ich denke, dass man beim Plot nicht extrem detailliert vorgehen muss. Wichtig ist nur, dass man die beiden Eckpunkte ›Vorher‹ und ›Nachher‹ definiert und, wenn man einen detaillierten gewählt hat, auch die Zwischenstationen. Das ist wichtig für den dramaturgischen Ablauf. Wie sich aber alles abspielt, muss man ja nicht bis in Kleinigkeiten vorher festlegen. Ich glaube, das ist sehr autorenbezogen.

Natürlich ist es Autorenbezogen, dennoch muss ich dir da auch widersprechen. Man merkt vielen Büchern an, wenn der rote Faden nicht stimmt, wenn es sich anfühlt, als wenn die Protas sich sprunghaft verändern, weil der Autor sie hat machen lassen, wenn der Autor selber noch nicht wusste, wer der Mörder ist. Das alles vermeide ich, indem ich plane.
Aber das muss jeder für sich selber wissen. Was bei mir funktioniert muss bei anderen nicht auch funktionieren.


CoraSuess schrieb:
Ich skizziere Szenen auf die ich gerade keine Lust habe und stürze ich auf alles andere und schreibe drauf los.
Warum hast du auf manche Szenen so gar keine Lust ...?

Nenn es „kleine Schreibblockaden“. :unsure:
Ehe ich mir tagelang den Kopf zerbreche, wie ich die Szene beginne, wie ich die Stimmung rüberbringe ect. Beginne ich lieber mit der Szene, die sich in meinem Kopf bereits formt und mit mir zu sprechen beginnt. Dadurch spare ich Zeit, (die ich sowieso nicht habe) und irgendwann, schwuppdiwupp kommt die andere Szene von allein.
Ist vielleicht auch nicht die beste Methode, aber sie funktioniert bei mir. :whistle:
Und skizzieren deshalb, damit der Handlungsstrang unwiderruflich festgelegt ist.

Da ich bei diesem Buch keine 4 Jahre Zeit habe, sondern das Buch dieses Jahr fertig haben möchte, muss ich ganz anders an die Sache rangehen. :sick:


liebe Grüße
liebe Grüße

Cora
Letzte Änderung: 13 Mär 2017 13:24 von CoraSuess.
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Was ist passiert? 13 Mär 2017 13:53 #5366

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CoraSuess schrieb:
Ich verwende Stufendiagramm, da ich das so aus meinem Lieblingsbuch „Wie schreibt man einen verdammt guten Roman“ gelernt habe.
Ich kenne und habe das Buch. ›Stufendiagramm‹ ist den wenigsten als Begriff bekannt, weshalb ich lieber ›Plot‹ dazu sage.

CoraSuess schrieb:
Du willst doch nicht im Ernst die Spannung eines Krimis oder Thrillers, mit der eines Liebesromans vergleichen?
Natürlich vergleiche ich sie. Nur weil in Krimis gemordet wird, brauchen sie doch nicht spannender zu sein. Abgesehen davon gibt es unterschiedliche Arten von Spannung und unterschiedliche Leser. Eine Geschichte sollte immer ein Maß an Spannung enthalten, sonst liest sie niemand. Außer vielleicht Literaturkritiker. Wenn, dann ist bei Thrillern mehr Spannung oder Actionbüchern mehr Klamauk.

CoraSuess schrieb:
Es war nicht der große Einbruch, sondern ich merkte, ich brauche ein Struktur um nicht durcheinander zu kommen. Deshalb hatte ich auch irgendwann mal die Wochentage eingeführt.
Ich sprach nicht von dir, Cora, sondern allgemein.

CoraSuess schrieb:
(ich denke, dass man beim Plot nicht extrem detailliert vorgehen muss. Wichtig ist nur, dass man die beiden Eckpunkte ›Vorher‹ und ›Nachher‹ definiert und, wenn man einen detaillierten gewählt hat, auch die Zwischenstationen. Das ist wichtig für den dramaturgischen Ablauf. Wie sich aber alles abspielt, muss man ja nicht bis in Kleinigkeiten vorher festlegen. Ich glaube, das ist sehr autorenbezogen.)

Natürlich ist es Autorenbezogen, dennoch muss ich dir da auch widersprechen. Man merkt vielen Büchern an, wenn der rote Faden nicht stimmt, wenn es sich anfühlt, als wenn die Protas sich sprunghaft verändern, weil der Autor sie hat machen lassen, wenn der Autor selber noch nicht wusste, wer der Mörder ist. Das alles vermeide ich, indem ich plane.
Aber das muss jeder für sich selber wissen. Was bei mir funktioniert muss bei anderen nicht auch funktionieren.
Ich glaube, du hast nicht genau gelesen. Das von dir Beschriebene ist ein weiterer Faktor, um den es ja nicht ging. Es ist autorenbezogen (klein, da Adjektiv), wie detailliert man gerne plant. Manchen genügt eine grobe Struktur, andere planen vorab gerne bis ins Detail. Du gehörst vielleicht eher zu ersterer Gruppe, was ich nachvollziehen kann, weil es mir ähnlich geht. Wenn ich bis ins Detail plane, habe ich vielleicht dann nicht mehr den Spaß der Überraschung mancher Entwicklungen - die sich natürlich im groben Rahmen bewegen müssen. Aber tatsächlich habe ich nie bis ins Detail geplant, werde ich auch kaum, weil bei mir beim Kopfkonstruieren die Geschichte nicht zu mir spricht.
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Was ist passiert? 14 Mär 2017 22:31 #5371

  • Angela
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Wow Martin und Cora,

es macht Spaß, euch zu lesen.
Im Grundkern seid ihr einer Meinung.

Ich denke aber auch, dass ein Liebesroman total spannend sein kann. Es wäre kein Roman, wenn es keine Konflikte, Steigerungen und Entwicklungen geben würde.
Manchmal ist es schwierig, einen Roman in ein Genre zu pressen (Ich weiß, das muss man trotzdem). Aber die gehen oft ineinander über.
z.B. Die Liebenden von Leningrad - oh mein Gott, das ist Spitzenklasse
Ein ganzes halbes Jahr - ist auch sehr schön
Ich denke, beides sind weltweit erfolgreiche Liebesromane. Dennoch kann man die nicht miteinander vergleichen. Aber: Spannung ist garantiert!

Ich freu mich schon auf die Fortsetzung der Diskussion :-)

liebe Grüße
Angela
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Was ist passiert? 11 Mai 2017 11:44 #5662

  • Eva
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Ja, ich weiß. Das Thema ist beendet.
Trotzdem möchte ich meine Meinung noch loswerden.
So ganz stimme ich euch nämlich leider nicht zu, zumindest nicht in alle Punkten :unsure:
Die Charaktere können durchaus auch machen, was sie wollen, wenn ein klarer Plan steht und der Autor weiß, wohin er will. Meiner Meinung nach kann das sogar ein Zeichen dafür sein, dass man die Charaktere besonders gut kennt. Eigentlich wollte man, dass Franz-Ferdinand auf eine Äußerung Uschis (ich nehme jetzt einfach Beispielnamen) in einer ganz bestimmten Art und Weise reagiert. Aber der eigentlich fiktive Franz-Ferdinand beweist dem Autoren dann doch, dass er einen eigenen Kopf hat und was am Ende von der Tastatur zum Monitor wandert, entspricht so gar nicht den Vorstellungen, die man irgendwann mal hatte.
Und warum? Weil der ursprüngliche Plan schlichtweg nicht Franz-Ferdinands Charakter entsprach. Er ist ein direkter, nicht gerade zimperlicher Mann, der seine Meinung sagt, und weil Uschis Meinung ihm nicht passt, nimmt er sie auch nicht hin. Die Fingerchen des Autors bewegen sich beinah von allein, die Tasten klapperten und Franz-Ferdinands Wut entlädt sich ... weil die Fingerchen vom Köpfchen gesteuert werden und das Köpfchen ist Franz-Ferdinands Heimat. Franz-Ferdinand spricht ... und er ist nicht begeistert.


Könnt ihr das einigermaßen verstehen? :kopfkratz:
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Was ist passiert? 30 Jun 2017 15:19 #5775

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Ja, ich weiß, das Thema ist schon lange durch. Trotzdem möchte ich mich - wenn auch verspätet - mich bei jedem Einzelnen von Euch für Eure sehr vielfältigen Antworten darauf bedanken. Alle haben mir in gewisser Form weiter geholfen, und mich enorm motiviert. Wieder einmal hab' ich's nicht erwartet, dass auf eine Frage so viele Reaktionen kommen, wow!!
Inwischen hab' ich jede Menge an meinem dritten Roman verändert, und die Protas erscheinen nun in ihrer Handlungsweise viel glaubwürdiger. Aber diese Geschichte zu schreiben fesselt mich so dermaßen, dass ich manchmal nachts aufstehen musste um eine Ergänzung einzufügen, die mir mitten in der Nacht eingefallen war.
In diesem Sinne wünsche ich Euch allen gutes Gelingen bei Euren Projekten, liebe Grüße von Marko
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