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THEMA: Wolfgang Hohlbein: Enwor 1 - 3

Wolfgang Hohlbein: Enwor 1 - 3 30 Apr 2014 11:12 #621

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Ich weiß, es sind ältere Werke von W. Hohlbein, aber da mich seine Elfen-Saga begeisterte und ich in der Bibliothek vor *Enwor* stand, dachte ich: Warum nicht?

Enwor 1 - Der wandernde Wald

Das Buch handelt von den beiden Satai/Krieger Skar und Dell. Sie durchqueren eine große Wüste und im letzten Moment vor dem sicheren Tod finden sie ein Waldstück. Nicht irgendeines, sondern ein bewohntes Waldland. Die Bewohner pflanzen ständig Bäume an einem Ende nach die an dem anderen Ende durch die Wüste absterben. Auf diese Art wandert der Wald wie ein riesiges lebendes Schiff über Generationen durch die Wüste.

Gegen Skars Willen werden die beiden Krieger in die Auseinandersetzung der *stürmischen Jungen* gegen das *Etablishment* verwickelt. Die Jungen wollen eine Revolution, wollen die Bewohner des Waldes wieder in die alte Heimat führen, von der sie laut Legenden von fremden Kriegern einst verjagt in die Wüste flohen. Das Etablishment dagegen möchte zum Wohle aller alles so beibehalten, wie es jetzt ist.

Die Welt, die Wendepunkte und die Auflösung, die W. Hohlbein damit schuf, fand ich sehr gut und stimmig. Auch die beiden Charaktere, den älteren besonnen Skar und den jüngeren hitzköpfigen Dell fand ich gut charakterisiert. Ein Buch, das Lust auf mehr machte. Die Idee des wandernden Waldes fand ich genial und - ich gebe es zu - darum beneidete ich W. Hohlbein :whistle:


Enwor 2 - Die brennende Stadt

Wieder sind die beiden Protas Skar und Dell. Dieses Mal wird Dell gezwungen, aus einer legendären ewig brennenden Stadt ein Juwel zu stehlen, wenn er sich selbst und Dell retten will.

Ein Buch, das ich nach dem 2. Kapitel nur noch mit gemischten Gefühlen las. Was mich sehr störte - rein persönliche Vorliebe - mit dem 1. Kapitel befand ich mich mit Skar und seinen Gefährten auf dem Weg zur brennenden Stadt.

Im nächsten Kapitel dagegen fand ich mich mit Skar und Dell in einer gänzlich anderen Stadt und Skar suchte Dell. Am nächsten Nachmittag hatten sie einen Kampf als *Gladiatoren* in der Stadtarena zu bestehen.:S

Dieses Kapitel war der eigentliche Anfang dieser Story. Und so ging es ständig im Wechsel weiter. Ich sah beim Lesen keine Notwendigkeit für diese Aufbau des Romanes. Der eigentliche Anfang, Dell ist verschwunden - Skar bekommt ein Angebot und damit auch die unverhohlene Drohung, wenn er es nicht annimmt, ist er für alles, was ihnen passiert, selbst schuld - der Kampf in der Arena - ihre anschließende Verhaftung usw. waren spannend genug, um einen Leser von Anfang an zu fesseln. Warum also wurde der Roman nicht in einem linearen Ablauf geschrieben? Ich verstehe es nicht ...

Andere Punkte sind inhaltlicher Natur:
Sehr viele Wiederholungen
- ständig wird darauf hingewiesen, wie heiß es ist;
- wie Skar und seine Gefährten leiden;
- wie erschöpft Skar ist und ständig und immer wieder die letzten, die allerletzten, die allerallerletzten Reserven anzapft; (irgendwann habe ich diese Passagen nicht einmal mehr überflogen :pinch: )
- da verbrennen Menschen und es wird nur beschrieben, wie ihre Brandwunden/verbrannten Körper aussehen ... Hallo? Jeder, dem schon einmal ein Stück Fleisch auf dem Grill verkokelte, weiß, dass dadurch auch ein sehr eigener Gestank entsteht. Hat Skar bzw. W. Hohlbein keine Nase oder keinen Geruchssinn, um das wenigstens einmal zu erwähnen?

Ich erfahre, dass Skar ein Gift verabreicht wurde, das langsam aber unaufhaltsam wirkt. Lediglich Pillen, die er alle Tage (mehr oder weniger) schlucken muss, halten ihn noch eine zeitlang am Leben. Will er weiterleben und das Gegenmittel, muss er den Auftrag innerhalb einer bestimmten Frist ausführen und zurückkommen. Nur - durch die Anstrengungen muss er mehr dieser Pillen schlucken und die Zeit wird knapper, zuletzt scheint es unmöglich, dass Skar noch rechtzeitig zurückkommt und das Heilmittel bekommt.

Alles vorhanden, um Spannung zu erzeugen und ein Punkt, wo ich mit Skar mitfieberte und gespannt war, wie dieses Dilemma gelöst wird. Die Lösung war für mich enttäuschend! Als alles verloren schien, erfuhr Skara - taratara - ällebätsch, du hast kein tödliches Gift bekommen, sondern nur eine abhängig machende Droge.

So geht es weiter, es werden mir zu viele Zufälle/Kaninchen-aus-dem-Hut-Lösungen präsentiert. Wenn sich die Charas in einer auswegslosen Situation befanden, hatte ich mehr als einmal den Gedanken, W. Hohlbein greift zu den primitivsten Lösungen.

Nach diesem Band las ich

Enwor 3 - Das tote Land

nur noch sehr skeptisch. Aber ich wollte W. Hohlbein noch eine Chance geben und außerdem wissen, ob Skar seinen Gefährten Dell wieder findet (immerhin, das hat W. Hohlbein geschafft ...)

Eines vorweg: Das Buch hat wieder einen linearen Zeitablauf - was für mich sehr positiv war und die Frage verstärkte: Warum hat er Band 2 so durcheinander geschrieben?

Skar, Gowenna und die Sumpfleute sind die einzigen Überlebenden aus der brennenden Stadt. Sie verfolgen die Frau, die Skar zuvor beauftragte/erpresste, das Juwel aus der brennenden Stadt zu stehlen.

Nach ca. 2/3 des Buches werde ich es aus den Händen legen. Es macht keinen Spaß und nach der Elfen-Saga und dem 1. Band behaupte ich, es ist entweder eines W. Hohlbeins unwürdig oder aber er wird als Autor überbewertet. Es klingt hart - aber ich bin enttäuscht. Auf meinem Stoß liegt noch Hohlbeins *Wolfsherz*. Sollte das mich nicht überzeugen, war es garantiert das letzte Buch, das ich von ihm gelesen/angelesen habe.

Die Idee, Skar und seine Gefährten über eine Welt aus Glas ziehen zu lassen, finde ich wieder einmal grandios. Aber damit hört es schon auf.

Total erschöpft schleppen sich die Charas aus der brennenden Stadt, noch erschöpfter anschließend über diese Glaslandschaft. Und wieder einmal mobilisiert Skar ständig allerletzte, allerallerletzte und nochmals allerallerallerletzte Kräfte.
Alleine durch das Streichen dieser ständigen Wiederholungen wären einige Seiten weggefallen.

Und was ist mit den Pferden? Auch wenn Skar und die Gefährten die (bereits erschöpften und verletzten) Tiere ihrer Feinde erbeuten, schleppen diese sich ohne Wasser und Futter erst durch unvorstellbarer Hitze, dann durch Hitze und Eis und zuletzt nur durch eine eisige Glaswelt - und das wochenlang. Irgendwann wurde die Leistung der Tiere für mich nur noch unglaubwürdig.

In einer Welt, in der keine Uhren existieren - zumindest hat W. Hohlbein nie welche erwähnt - vergehen plötzlich *MINUTEN*. - Zuerst glaubte ich, ich hätte mich verlesen. Aber da stehen auf einmal tatsächlich *Minuten*!

Seine Gegenspielerin betont ständig, dass sie Möglichkeiten besitzt, Skar auch gegen seinen Willen auf ihre Seite zu ziehen und ihn zu einer seelenlosen Marionette zu machen. Skar verweigert sich (natürlich) bzw. schwankt zwischen der Hoffnung, seine Gegenspielerin ausschalten zu können (was sie natürlich weiß!) und aufgeben. - Hallo, bin ich so skrupellos? Versetze ich mich in die Rolle der mächtigen Gegenspielerin, dann würde ich nur einmal ein Angebot unterbreiten. Würde er es ablehnen und ich wissen, dass er mich ausschalten/austricksen will, würde ich nicht lange fackeln und die für mich ungefährliche Marionette vorziehen. Aber garantiert nicht wieder und wieder und wieder letzte Angebote
unterbreiten.

Der Punkt, an dem ich mich zu einem *Das war's!* entschloss:

Die Gegenspielerin verbirgt sich in einem Art Glaskrater. Aber nicht nur sie und ihr Säurespeiender riesiger Staubdrachen, nein, auch eine Armee, Helfer, Pferde und Lasttiere.

Bitte stellt euch vor: eine Gegend, die bis tief in die Erde hinein aus geschmolzener Erde/Glas besteht. Keine Pflanzen, kein Wasser! Und das nicht nur auf 10 oder 100 km (letzteres könnte ein Pferd ja in 3 - 4 Tage überwinden). Wie soll eine solche Masse an Menschen und Tiere unbemerkt - UNBEMERKT! - mit Wasser und Nahrung versorgt werden? Und das, wo Enwor ein sterbender Planet mit immer weniger fruchtbaren Landschaften und vermehrten mageren Ernten ist (das ist der vergebene Hauptgrund der Gegenspielerin, warum sie die Macht über Enwor erlangen will: Sie will ihn mit dem geheimnisvollen Juwel wieder zu einem fruchtbaren Planeten mit glücklichen zufriedenen Menschen wandeln).

Band 2 + 3 bestätigen meine Vorbehalte gegenüber den meisten Fantasy-Romanen. Wenn Autor(?) nicht weiter weiß oder es gerade passt/spektaktulär ist, tauchen irgendwelche übernatürlichen Kräfte/Wesen/Zauber und Magie auf, die alles herumreißen. Ganz zu schweigen, von dem außergewöhnlich starken aber von Zweifeln geplagten Helden. Und hier das ganze noch mit ständigen Wiederholungen garniert ...

Aber wie gesagt, mit Wolfsherz bekommt W. Hohlbein noch eine Chance und die Elfen-Saga liebe ich weiterhin ...
Liebe Grüße

Sheila
Letzte Änderung: 30 Apr 2014 11:18 von Sheila.
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Wolfgang Hohlbein: Enwor 1 - 3 30 Apr 2014 12:19 #623

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Wow, eine Menge genauer Hohlbein-Betrachtung!
Sheila schrieb:
... meine Vorbehalte gegenüber den meisten Fantasy-Romanen. Wenn Autor(?) nicht weiter weiß oder es gerade passt/spektaktulär ist, tauchen irgendwelche übernatürlichen Kräfte/Wesen/Zauber und Magie auf, die alles herumreißen. Ganz zu schweigen, von dem außergewöhnlich starken aber von Zweifeln geplagten Helden. Und hier das ganze noch mit ständigen Wiederholungen garniert ...

Aus diesem Grund mag ich Fantasy nicht besonders. Zum Schreiben vielleicht ganz lustig, weil man ja nie in eine Bredouille kommen kann - alles ist ja möglich. Im echten Leben gibt so eine Menge an Unglaublichem - und das sind tatsächlich mögliche Sachen - dass für mich diese Mischung viel interessanter ist: Wie kann ich anscheinend Unmögliches doch möglich machen.

Fantasy gibt halt die Möglichkeit, sich aus der Realität zu beamen, sowohl für Autor als auch Leser. So finde ich es auf jeden Fall noch die beste Fluchtmethode, verglichen an Alk und Koks. Aber Flucht bleibt es meiner Ansicht nach. Ein weiterer Vorteil allerdings, dass die Fantasie angeregt wird. Und die hilft wiederum beim finden des scheinbar Unmöglichen im aber tatsächlich Möglichen ;-)

Liebe Grüße und auf jeden Fall viel Spaß beim Weiterlesen :-)
Martin
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