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THEMA: Hört das eigentlich nie auf?

Hört das eigentlich nie auf? 24 Mär 2019 09:22 #7318

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Ich habe vor sieben Jahren angefangen zu schreiben, mit einem Herzen voller Worte und mit Null Sachkenntnis. :) Voller Stolz habe ich das entstandene Buch meinen Verwandten gegeben, die Reaktion war verhalten. Ein sehr guter Freund hatte dann den Mut, mir zu sagen "also weißt du, das Buch …" :(

Ernüchtert habe ich einen Schreibkurs gebucht, habe etwas über Ideenentwicklung gelernt, über Adjektive, über Plots, über Charakterentwicklung. Voller Freude habe ich mich wieder an das Buch gesetzt und alles überarbeitet. Wurde viiiiel besser. :)

Ein halbes Jahr später wurde wieder ein Schreibkurs angeboten. Ich habe wieder viel dazugelernt und dachte, mein Buch, das ist leider immer noch schlecht. Ich muss alles überarbeiten. Wurde viiiiel besser. :)

Vor wenigen Wochen habe ich den Anfang des Buches in dieses Forum gestellt, und das Ergebnis war ernüchternd. :( Viiiiiiel zu schlecht.
Also habe ich alles überarbeitet und ein paar Wochen ruhen lassen, in der Zwischenzeit ein anderes Projekt in Angriff genommen, bei dem ich wieder viel gelernt habe.

Heute Morgen habe ich jetzt zum ersten Mal erneut in mein erstes Projekt gesehen und dachte: Viiiiiel zu schlecht! :unsure: :)

Jetzt frage ich mich: Hört das eigentlich jemals auf? Ist man irgendwann mit seinen Werken auch mal zufrieden?
Wie geht's Euch damit?

Liebe Grüße
Sabine
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Hört das eigentlich nie auf? 24 Mär 2019 10:11 #7319

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Hallo Sabine,

keine Ahnung, ob das mal aufhört. Ich zumindest bin (noch lange) nicht an dem Punkt.

Wann genau ich angefangen habe zu schreiben, weiß ich gar nicht mehr genau. Schreibkurse habe ich nie besucht. Mein Lernprozess bestand eher aus lesen, schreiben, verbessern, noch mehr lesen, noch mehr schreiben und dabei viel lernen. Mein erster Roman wurde 2011 veröffentlicht und heute denke ich mir: Himmel, das hättest du aber noch viel besser gekonnt.

Seit dem sind ja nun wieder ein paar Jahre vergangen. Geändert hat sich aber nicht so viel. Zwar denke ich, dass ich heute besser schreibe, aber der Gedanke, dass es noch besser geht, der ist nach wie vor da. Gerade am Freitag hat mich meine Agentin angerufen und mir vom Ergebnis der Messe erzählt. Ein paar Verlage würden sich für dieses oder jenes Projekt interessieren und vom fertigen wurde auch ein paar Mal das Gesamtmanuskript angefordert. Meine Reaktion war: Ach, wirklich? In meinem Kopf ist es jetzt nämlich längst nicht mehr so gut, wie ich bei Abgabe glaubte, dass es sei.

Da finde ich hier ein Wort, das doof klingt, dort eine Satzstellung, die anders besser wäre. An sowas kann ich mich dann aufhängen, obwohl ich mir, rein objektiv gesehen, denke, den Leser stört das doch nicht, ob da dieses ohne jenes Wort steht, Hauptsache, es lässt sich gut lesen und die Geschichte gefällt.

Das Schlimme ist ja, wir streben nach dem 'perfekten' Buch. Das gibt es aber nicht. Auch augenscheinliche Bestseller sind oft genug weit davon entfernt, perfekt zu sein. Du wirst immer und überall etwas finden, das dir nicht gefällt, wo du dir denkst: Hey, wie kann ein Lektor sowas durchgehen lassen? Das hätte man doch so und so machen können, dann wäre es viel besser.

Neben diversen anderen Gründen wäre auch das einer, weshalb Selfpublishing für mich nicht in Frage kommt. Da würde ich ein Buch niemals veröffentlichen, weil ich es immer und immer wieder lesen , ver(schlimm)bessern und ändern würde. :augenroll:

Schöne Grüße
Kerstin
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Hört das eigentlich nie auf? 24 Mär 2019 16:52 #7321

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Liebe Sabine,

ach so ... aha ... mhm ... so geht es dir also. Nun - mir auch :-D

Wie Kerstin begleitet auch mich das Schreiben schon ewig, und irgendwie war auch was in der Muttermilch, meine Eltern hatten 43 Bücher veröffentlicht; meine Mutter war die Autorin, Vater Fotograf. Allerdings hab ich mit ihr so gut wie nie über Schreiben gesprochen und wirklich angefangen habe ich erst lange, nachdem sie gestorben war. Das war 2002, nach meiner ersten von bisher vier Motorradreisen nach Griechenland. Intensiv los ging es aber erst 2012, da aber heftig.

Bekannten haben meine Geschichten eigentlich immer gefallen, mit kritischen Fremden war es etwas anders. Der totale Schock kam von einem aus einer sich selbst als hochkarätiges Schreibforum bezeichnenden Gruppe. Er zerriss eine Kurzgeschichte von mir in der Luft. Schon vorher, ab da noch mehr, las ich einen Schreibratgeber nach dem anderen, diskutierte, las, schrieb, bildete mir Meinungen zu diversen Dingen, über die man wenig liest, zum Beispiel Kursivschrift bei Gedanken und anderes. Zunehmend sickerten Erkenntnisse tiefer und ich denke, das Geschriebene wurde besser. Heute freue ich mich nicht selten über persönliche Kommentare und Rezensionen von Lesern.

Die Entwicklung konnte ich an dem erwähnten ersten Roman von 2002 beobachten. Während ich parallel immer an etwas anderem dran war, überarbeitete ich den immer wieder und immer wieder. Tatsächlich habe ich erst vor drei Monaten den ersten seiner drei Teile herausgebracht. Am zweiten sitze ich derzeit - oder säße, wenn mich Patchwork ließe.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich hätte es nicht gedacht, aber jedes Mal war beim Überarbeiten der Parallelreise, so heißt er, für mich Handlungsbedarf. Ich habe ihn mindestens fünfzehn Mal überarbeitet und das ist bei fast 700 Seiten nicht wenig.

Ich höre viele Hörbücher - mit anderen Worten: ich lese viel - und da denke ich so oft ... ach, würde ich gern soo schreiben können ...

Nein, ich glaube, das hört nicht auf.

Und ich denke, das ist auch gut so. Denn man merkt ja selbst, wenn sich etwas verändert und das macht jedes Mal Freude.

Liebe Grüße und ein schönes Rest-Wochenende
Martin
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Hört das eigentlich nie auf? 24 Mär 2019 19:56 #7323

  • sveit
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Hallo Kerstin, hallo Martin,

ich fühle mich getröstet und finde mich in mein Schicksal. Danke.

Ich bin nicht mit der Schreiberei groß geworden, im Gegenteil. Momentan bin ich in meiner Familie die mit dem komischen Hobby, abgesehen von meinem Bruder, der für Yoga entbrannt ist. :-)

Parallelreise, ich hab kurz reingesehen. Hat gute Rezensionen. Und es fängt mit einem meiner Lieblingsgedichte an. Da muss ich es eigentlich lesen. :-)

Euch allen eine schöne Woche
Sabine
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